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Marketing um Himmels Willen

so der Titel des sehr interessanten Vortrags von Jesuitenpater Dr. Benno Kuppler SJ, organisiert vom Marketing Club München und der Hanns Seidel Stiftung, in dem es um das Verhältnis von Marketing und Kirche ging. Pater Dr. Benno Kuppler zeigte auf, dass sich Christliche Soziallehre und Betriebswirtschaftslehre nicht ausschlies- sen, auch wenn das Verhältnis nicht spannungsfrei ist, wie sich in Vortrag und Diskussion herausstellte. Mehr noch als in profitorientierten Unternehmen geht es beim Kirchen-Marketing um ein ganzheitliches Führungs- und Kommunikations- konzept, dass sich der Technik und Terminologie der Marketing- und Betriebs- wirtschaftslehre bedient, bei der aber die Kommunikation der Inhalte, der Mission im Vordergrund stehen.
 
Während Marketing im klassischen Verständnis der BWL ein Instrumentarium zur Umsatzförderung und Profitmaximierung ist, ist für das Kirchen-Marketing - und das Sozialmarketing generell - ein interdiszipliäreres und ganzheitlicheres Verständnis von Marketing notwendig um nicht einer weiter fortschreitenden Säkularisierung das Wort zu reden. Auch wenn die christlichen Kirchen zwar allgemein die Trennung von Kirche und Staat akzeptieren, so ist dennoch die mit der Säkularisierung einher- gehende zunehmende Trennung von Kirche und Gesellschaft und die Relativierung christlicher Werte eine Gefahr für die "Marktposition" der Kirchen. Die erweiterte Marketing-Definition "Austauschprozesse zu erreichen, die individuelle und organisatorische Ziele erfüllen" passt jedoch ganz gut zum Selbstverständnis der Kirche.
 
Das "Produkt" der Kirche ist die christliche Botschaft, die damit verbundenen "Dienstleistungen" die Seelsorge, der Gottesdienst, Bildung und Mission und die praktizierte und institutionalisierte Nächstenliebe in Form verschiedener Hilfs- angebote. Dies alles unter ein einheitliches (Marken-)Dach zu bringen ist selbst in der sich einheitlicher darstellenden römisch-katholischen Kirche nicht einfach, auch wenn die Kirchen mit dem Kreuz über ein starkes christliches "Markenzeichen" verfügen.
 
So hat das Kirchen-Marketing vor allem die Aufgabe christliche Botschaft und Werte in die moderne Gesellschaft zu vermitteln ohne gleichzeitig die über 2000-jährige Geschichte zu verleugnen. Insofern befindet sich die Kirche in einem "Prozess der Marktanpassung und Marktgestaltung" wie ihn auch Unternehmen erfahren. Pater Dr. Benno Kuppler zeigte auf, dass dies auch bereits vor der Erfindung des Marketingbegriffs in Form der "Inkulturation", also der Übersetzung der christlichen Botschaft in den aktuellen gesellschaftlichen Kontext erfolgte. Aber er zeigte eben auch die Marketingversion dieser Übersetzung in Form aktueller und durchaus auch provokativer Werbung.
 
Ein Beispiel dafür ist eine Werbekampagne für den Priesternachwuchs, die mit Werbebotschaften wie "Wer die Herzen der Menschen öffnen will, wird Chirurg oder Priester" großes Medienecho hervorrief. Oder eine Kampagne, die Priester und Theologen bei Beschäftigungen wie Segelfliegen oder Flamenco tanzen darstellte.
 
Trotz dieser Beispiele gelungener und modernen Kommunikation, welche die Botschaft transportiert, dass Kirche und Glaube Teil unserer Gesellschaft sind, tun sich die Kirchen und auch die Gemeindemitglieder oft schwer mit dieser Art der Kommunikation. Einerseits sicher deshalb weil der vom Marketing geforderten Philosophie der "marktorientierten Unternehmensführung"  der Schein des Profanen anhaftet, zum anderen wohl auch weil bei vielen Pfarrern und Pastoren als Führungskraft ihrer Kirchengemeinde die notwendige Akzeptanz zur Umsetzung dieser Führungsphilosophie fehlt.
 
Aber auch hier gilt, dass einzelne Schritte ein Teil des Weges zum Erfolg sind. Die auf den Austausch mit Mitarbeitern, "Kunden" und Gesellschaft angelegte, ganz- heitliche Marketingphilosophie der Kirche hat in einer Gesellschaft, die auf der Suche nach Werten ist Aussicht auf Erfolg, wenn auch nicht auf einen Schlag wie Pater Dr. Benno Kuppler betonte. Die Diskussion über Werte in Gesellschaft und Unternehmen bestätigt dies.
 
 
 

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